Neuseeland
Juni 4, 2008 · Diesen Beitrag drucken
Aktive Vulkane, Geysire und Thermalquellen, zerklüftete Gebirgslandschaften mit schneebedeckten Gipfeln, dichte Urwälder mit Seen und Wasserfällen, karge Klippen und nicht zuletzt sonnenverwöhnte Sandstrände - auf Neuseeland liegt dies alles dicht beieinander. Neuseeland, der ”kleine Bruder” Australiens südöstlich des fünften Kontinents im Pazifischen Ozean, umrankt bis heute eine Aura von Mythen und Legenden. Das immer noch Geheimnisvolle des Landes verdankt sich teils dem Naturvolk der Maori und teils einer atemberaubenden, oft wilden und verwunschenen Landschaft. Neuseeland ist die Heimat von rund 2.000 Pflanzen- und Tierarten, die es sonst nirgends auf der Welt gibt. Rund zehn Prozent der Landfläche ist heute in Nationalparks geschützt. Die vier Parks auf der Nord- und neun Parks auf der Südinsel sind einzigartige Naturreservate, die auf weiten Strecken von Wanderwegen durchzogen und damit dem Naturliebhaber zugänglich sind. Das Klima der Nordinsel ist subtropisch, das der Südinsel dem gemäßigten, mitteleuropäischen Klima vergleichbar. Die Jahreszeiten sind denen in Europa genau entgegengesetzt, die beste Reisezeit sind also die Monate Dezember bis März. Zu den wichtigsten und interessantesten Urlaubsgebieten zählen neben der Hauptstadt Wellington im Süden sowie Auckland und Rotorua im Norden der Nordinsel die Städte Christchurch und Queenstown auf der Südinsel.
“Tea-Time” - ein Relikt aus der britischen Kolonialzeit ist heute nicht mehr allein selig machend. Die neuseeländische Küche erlebte in den letzten Jahres einen wahren Boom an Innovation, allem Fish’n’Chips-Fastfood zum Trotz. Die beiden wesentlichen Bestandteile neuseeländischer Mahlzeiten sind entweder Lammfleisch - die Schafzucht ist traditionell einer der wichtigsten Wirtschaftszweige des Landes - oder Fisch. Besonders letzterer vermag ausländische Besucher zu verzücken. Täglich frisch aus den klaren und sauberen Fluten des Meeres gefischt, gelangt er - meist filetiert - auf den Tisch. Zu den Spezialitäten unter den Meeresfrüchten zählt die Green Lipped Mussel, eine endemische Muschelart, deren Schalen grünlich schimmern. Köstlichkeiten wie Langusten und Austern genießt man in Neuseeland wesentlich preisgünstiger als in Europa. Die Vielzahl einheimischer Obst- und Gemüsearten rundet jede Mahlzeit in mannigfachen Variationsmöglichkeiten ab. Vor allem Winzer aus Deutschland und Frankreich entdeckten Neuseeland als hervorragendes Weinanbaugebiet. Die neuseeländischen Sorten klingen unseren Ohren daher vertraut: Müller-Thurgau, Riesling, Chardonnay, Sauvignon. Aber selbst der Gaumen eines Laien erkennt die deutlichen Unterschiede: Neuseeländische Weine sind in der Regel schwerer und erdiger als ihre europäischen Namensvettern.
Neuseeland ist in mancher Hinsicht wie ein großer Abenteuerspielplatz für Erlebnishungrige. Neben den modernen Extremsportarten stehen traditionell Wandern und alle Wassersportarten hoch im Kurs. Paragliding, Skydiving, Bungee-Jumping, Jet Boating, White Water Sledging und River Surfing (Wildwasserkanufahren) - Neuseeland ist wie ein Eldorado für Adrenalinjunkies. ”Herkömmliche” Sportarten wie Reiten, Tennis, Golf, Ski- oder Radfahren, nehmen sich dagegen stiefmütterlich aus, werden aber selbstverständlich auch angeboten. Die größte Anziehungskraft für Aktivurlauber übt aber nach wie vor das Meer aus: Segeln, Angeln und Tauchen erfreuen sich ungebrochener Beliebtheit. Die schönsten Segelgebiete liegen nördlich von Auckland im Hauraki Gulf. Angler finden an fast allen Binnengewässern ideale Bedingungen, Zentren für das Hochseeangeln sind die Bay of Islands und die Bay of Plenty vor der Nordinsel. Bei Whangarei und in der Matauri Bay nördlich von Auckland liegen die interessantesten Tauchgebiete. Unter anderem kann hier das versenkte Greenpeace-Schiff Rainbow Warrior erkundet werden. Schließlich genießt auf Neuseeland eine ”Sportart” Ansehen wie sonst wohl nirgends auf der Welt: das Jagen. Da die meisten der zu jagenden Tiere wie das Opossum unkontrolliert importierte Arten sind, die das ökologische Gleichgewicht nachhaltig ins Wanken bringen, ist die Jagd auf Neuseeland eine Art Naturschutz.
Wenn die Sonne Richtung Australien verschwindet und die Nacht in die Städte Neuseelands schleicht, ziehen die Neuseeländer gemächlich in eine gut britische Institution: den Pub. Die Dichte an urwüchsigen Kneipen in den größeren Städten auf Neuseeland ist fast schon einem Land wie Irland ebenbürtig. Dagegen sind Nobeldiscotheken und exquisite Night-Clubs Mangelware. Ein nennenswertes Nachtleben im europäischen Sinne des Wortes beschränkt sich auf die Großstädte Auckland und Wellington sowie auf die touristischen Aktionszentren von Christchurch, Dunedin, Queenstown und Rotorua. Häufig bieten zudem die zahlreichen Campingplätze auf Neuseeland ein entsprechendes Abendprogramm für ihre meist jugendlichen Besucher. Wer aus seinem ländlichen Urlaubsdomizil nicht den langen Weg zu den Amüsiermeilen der Großstädte antreten will, sollte sich ruhig der Pub-Tradition des Landes anschließen: Besucher, die ein gesittetes Bier oder einen vollmundigen Wein in heimeliger, rustikaler Atmosphäre zu genießen verstehen, sind auf Neuseeland stets willkommen.
In Neuseeland hat man Zeit, viel Zeit. Gelassenheit, Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft sind die hervorstechenden Eigenschaften der Bewohner. Man scheint aus der Geschichte gelernt zu haben. Seinen Namen verdankt Neuseeland holländischen Seefahrern, die 1642 als erste Europäer das Land betraten. ”Nieuw Zeeland”, benannt nach der niederländischen Provinz Zeeland, hatte in den folgenden Jahrhunderten weiteren Besuch von ”Kolonialherren” zu erleiden. Nach einem kurzen französischen Intermezzo nahm 1769 Captain James Cook das Land für die britische Krone in Besitz. Alle Kolonialherren hatten sich mit denjenigen auseinander zu setzen, die bereits um 800 n.Chr. die beiden Inseln besiedelten: die Maori. Ihr Schicksal ist dem der Aborigines in Australien durchaus vergleichbar: Während der so genannten Neuseeländischen Kriege im 19. Jh. zwischen britischen Siedlern und Maori verloren Tausende ihr Leben. Erst 1995 - fast ein halbes Jahrhundert nach der Unabgängigkeit von England - wurde ein Abkommen unterzeichnet, das den Ureinwohnern ein verbrieftes Recht auf 50.000 Hektar Land zuerkannte. Die neuseeländische Kultur war schon immer eine Kultur der Maori auf der einen und eine europäisch beeinflusste Kultur der kolonialen Siedler auf der anderen Seite. Paradoxerweise sind es heute wieder vornehmlich Europäer, die eine regelrechte Renaissance der Maori-Kultur beflügeln: Man hat frühzeitig während des zunehmenden Tourismus der letzten drei Jahrzehnte erkannt, dass mit dem großen Interesse der Reisenden an der Kultur des Naturvolkes gutes Geld zu verdienen ist.
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